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Interview auf ran.de

04.10.2012 // Kommentar verfassen

ran.de: Herr Jantschke, Ihr Teamkollege Patrick Herrmann hat bei ran.de vor dem HSV-Spiel gesagt, dass man ganz sicher von keiner Krise bei Borussia sprechen könne; nach dem Spiel gegen Hamburg und vor allem nach der 0:5-Klatsche beim BVB scheint „Krise“ aber doch ziemlich treffend…

Tony Jantschke: Auf jeden Fall! Wir befinden uns in einer Situation, die sehr gefährlich ist und die man jetzt ohne Wenn und Aber als Krise bezeichnen muss. Sechs Punkte aus sechs Spielen sind schlichtweg zu wenig, auch wenn der Abstand auf den fünften Tabellenplatz gerade einmal vier Punkte beträgt. Aber auch das nützt uns nichts, wenn wir nicht selbst endlich wieder punkten.

ran.de: Das größte Problem scheint, dass Gladbach seine Defensiv-Stärke verloren hat; glänzte man letzte Saison noch mit der zweitbesten Abwehr der Liga, so stellt man nun die schlechteste…

Jantschke: Eine Erklärung fällt mir sehr schwer, vor allem weil wir selbst überzeugt davon waren, dass wir die Präsenz in der Defensive ganz sicher wieder auf den Platz bringen würden. Jetzt aber müssen wir feststellen, dass die Abstände auf dem Platz viel zu groß sind und dass wir gerade auch nach Standards zu viele Gegentore bekommen. Warum das so ist, das müssen wir jetzt schnellstens heraus finden, andernfalls dürfte es kaum besser werden.

ran.de: Wie aber lässt sich erklären, dass z. B. die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen zu groß sind, letztlich scheint das doch eine Frage der Disziplin?

Jantschke: In der Vorbereitung auf die Saison und auch noch in den ersten Saisonspielen hatten wir die notwendige Kompaktheit. Selbst beim 1:3 gegen Kiew im ersten Champions Leage-Playoff hatten die Ukrainer kaum mehr als drei Chancen, die sie dann aber für ihre Treffer genutzt haben. Wenn man in einen Negativ-Lauf gerät, wie wir mit dem 2:3 zuhause gegen Nürnberg, wo wir zwei Treffer nach Standards kassiert haben und den dritten durch einen Konter, dann ist das nur schwer zu stoppen. Dieses Spiel, in dem wir uns nach einem 0:2 zunächst wieder sehr gut zurück gekämpft hatten, hat wohl einen ersten kleinen Knacks gegeben. Und schon gegen Leverkusen, beim 1:1, hätten wir uns ähnlich viele Treffer fangen können, wie bei der 0:5-Klatsche in Dortmund. Wenn dazu im Umfeld noch die ersten Aussagen kommen, die von Krise sprechen, wird es sehr schwer den Schalter wieder umzulegen. Wichtig ist, dass wir jetzt zusammenhalten und nicht in die Gefahr geraten auseinander zu brechen. Das wäre fatal.

ran.de: Favre sagt, dass er nicht an ein weiteres Wunder glaube, Gladbach hätte zuletzt ja schon zwei erlebt; bedeutet das Abstiegskampf bis zum Schluss?

Jantschke: Das hängt sicher davon ab, wie und ob wir in den nächsten zwei, drei Wochen punkten. Zu beschönigen gibt es aber nach zwölf Gegentreffern in sechs Spielen ganz sicher nichts. Wir haben in den letzten Jahren ein paar Mal erlebt, wie schnell man ganz hinten rein rutschen kann. Also müssen wir höllisch aufpassen.

ran.de: Wie gehen Sie ganz persönlich mit der Krise um?

Jantschke: Ich bin eigentlich recht gut in die Saison gekommen. Dass ich in den drei Spielen der englischen Woche aber meine Leistung nicht gebracht und längst nicht mehr so viele Zweikämpfe gewonnen habe, wie zuvor, das hat jeder gesehen. Andererseits können die Spieler hinten nur so stark sein wie die vorne – und umgekehrt. Diese Kompaktheit ist das A und O, und da müssen wir wieder hinkommen. Zuletzt aber hatten wir einfach auch zu viele leichte Ballverluste…

ran.de: …oft ausgerechnet im Mittelfeld, und in der Vorwärtsbewegung…

Jantschke: Exakt. Und wir sind dann in unschöner Regelmäßigkeit in Konter gelaufen. Gegen Dortmund z. B. haben wir die ersten 20, 25 Minuten eigentlich ganz gut mitgehalten. Auf einmal aber ist plötzlich die Mitte total offen und wir liegen 0:1 zurück. Und danach brechen wir auseinander. Das Problem ist, dass wir zurzeit alle einen leichten Knacks haben, dass das Selbstvertrauen bei fast jedem fehlt. Ein, zwei Ausfälle kann eine Mannschaft schon mal verkraften. Aber beinahe alle? – Das kann nicht gut gehen! Aber wir sind eben auch nur Menschen und keine Roboter. Trotzdem glaube ich nicht, dass die Mannschaft die Situation nach dem Umbruch im Sommer unterschätzt hat, wie es teilweise von außen behauptet wird.

ran.de: Sie sprechen das fehlende Selbstvertrauen an: hat Trainer Lucien Favre daran aber nicht eine Mitschuld, weil er immer wieder betont hat, dass die Mannschaft ohne Reus, Dante und Neustädter ihr Rückgrat verloren habe, und er so die anderen Spieler abwertet, die vergangene Saison ebenfalls Großes geleistet haben?

Jantschke: Fakt ist, dass es dann jetzt in den Medien heißen würde, dass der Trainer die Situation beschönigt und alles gut geredet hätte. Ich denke, dass es ihm einfach darum ging, die Erwartungen etwas zu bremsen. Denn nicht wenige Experten haben im Vorfeld der Saison doch gemutmaßt, dass Borussia wieder um den vierten Platz mitspielen würde. Dass es aber im Gegenteil sehr schwer werden würde, das wussten wir Spieler auch selbst und haben auch nie einen Hehl daraus gemacht. Bloß sind die Aussagen des Trainers in den Medien präsenter. Grundsätzlich halte ich es aber für besser, dass bei uns ab sofort niemand mehr zurückblickt und wir uns ausschließlich auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

ran.de: War es aber kein falsches Signal, gegen Limassol nicht mit der nominell stärksten Elf anzutreten, immerhin hat man ein Jahr lang von internationalen Auftritten geträumt?

Jantschke: Ich glaube, dass es richtig war zu rotieren. Und wenn wir den Elfmeter in der letzten Minute verwandelt hätten, dann hätte wohl jede Zeitung geschrieben, dass die Rotation genau richtig war. Man sollte berücksichtigen, dass wir diese Doppelbelastung nicht gewohnt sind und uns erst Schritt für Schritt darauf einstellen müssen. Mats Hummels etwa hat gerade in einem sehr guten Interview erklärt, wie schwierig diese Belastung ist. Dabei sind es nicht einmal die Spiele selbst, sondern die vielen Reisen, bei denen man im Grunde nur Hotels sieht und kaum noch dazu kommt, mal an etwas anderes zu denken als an Fußball. Abschalten ist kaum noch möglich. Umso wichtiger ist die Rotation. Und es macht sicher mehr Sinn, Spielern eine Reise nach Zypern zu ersparen, anstatt in einem Heimspiel gegen Fenerbahce Istanbul auf sie zu verzichten.

ran.de: Wird das Spiel gegen Fenerbahce nun aber zur lästigen Pflichtaufgabe, die nur Kräfte bindet, die man in der Liga dringend braucht?

Jantschke: Klar macht man sich als Spieler seine Gedanken. Und wenn man in der Liga nicht gut da steht, dann ist es gerade für die jungen Spieler, die das noch nicht kennen, nicht leicht sich auf eine andere Aufgabe zu fokussieren, wenn eigentlich die Sorge um die Leistung in der Liga im Kopf herum spukt. Damit professionell umzugehen, auch das müssen wir noch lernen. Andererseits ist aber ist ein Heimspiel gegen Fenerbahce Istanbul vor einer wahrscheinlich grandiosen Kulisse auch genau das, wofür man Profi geworden ist.

ran.de: Was für ein Spiel erwarten Sie?

Jantschke: Ich rechne mit einem absoluten Hexenkessel. Die Atmosphäre wird fantastisch sein. Und egal, wie schlecht wir in der Liga im Moment auch sein mögen, diese Spiele haben wir uns wirklich verdient. Und wir sollten sie auch genießen.

ran.de: Wie schätzen Sie Fenerbahce ein?

Jantschke: Der Vertrag des langjährigen Kapitäns und Spielmachers Alex wurde gerade aufgelöst, und auch sonst läuft es dort noch nicht ganz rund. Aktuell ist man nur Tabellensechster und läuft den eigenen Ansprüchen hinterher. Wir sind aber gut beraten, uns davon nicht blenden zu lassen.

Interview: Andreas Kötter/ran.de

 

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